Passionszeit
Der Weg von Aschermittwoch bis Karsamstag
Von den Fastentagen zur Passionszeit
In den Wochen vor dem Osterfest, an dem die Christen die Auferstehung Jesu von den Toten feiern, gedenken sie der Leiden Christi vor dessen Tod am Kreuz. Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. waren die zwei Tage vor dem Ostersonntag Fastentage. Bald schon wurde die gesamte Karwoche zur Fastenwoche.
Das Konzil von Nicäa, 325 n.Chr. kannte bereits eine 40tägige Fastenzeit vor Ostern. Diese Fastentage wurden aber nicht an einem Stück abgehalten. So legte Papst Gregor I. im 7. Jahrhundert eine Zeit von 40 Tagen in Folge als Fastenzeit vor dem Ostertag fest. Wie auch schon die damalige Adventszeit, waren diese Wochen eine Zeit der Taufvorbereitung für die Täuflinge, die in der Osternacht getauft wurden.
Auch die Sünder, deren Sünden öffentlich bekannt waren, wurden am Aschermittwoch aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen und sollten die Fastenzeit als Bußzeit nutzen. Sie wurden am Gründonnerstag wieder in die Gemeinde aufgenommen.
Martin Luther legte den Schwerpunkt der Wochen vor Ostern weniger auf das Fasten - er sah darin die Gefahr, dass man dadurch Gott gefallen wolle - sondern auf das Leiden und Sterben Jesu Christi. So wurde die Fasten- zur Passionszeit (Passion = Leiden). Dies ist bis heute so geblieben. In vielen evangelischen Gemeinden finden in diesen Wochen gesonderte Passionsandachten statt, die den Weg Jesu ans Kreuz bedenken. Viele evangelische Christen entdecken die Passionszeit heute wieder als eine Zeit auch des persönlichen Verzichts. (Näheres dazu finden Sie weiter unten.)
Die Sonntage der Passionszeit sind vom Fastengedanken ausgenommen. Nichtsdestotrotz wird in den Gottesdiensten, den sogenannten Fastensonntagen, weder das Gloria, noch das Halleluja gesungen. Erst zu Ostern wird die Gemeinde diese beiden Gesänge wieder anstimmen. Die sechs "Sonntage in den Fasten" sind benannt nach den Anfangsworten der lateinischen Eingangspsalmen:
~ Invocavit: "Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören." (Psalm 91,15)
~ Reminiscere: "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit." (Psalm 25,6)
~ Oculi: "Meine Augen sehen stets auf den Herrn." (Psalm 25,15)
~ Laetare: "Freuet euch mit Jerusalem!" (Jesaja 66,10)
~ Judica: "Gott, schaffe mir Recht!" (Psalm 43,1)
~ Palmarum
7 Wochen ohne
Im Jahr 1983 haben einige Journalisten und Theologen nach einem lustigen "Kneipenabend" beschlossen, die Passionszeit bewusst als eine Zeit des Verzichts zu gestalten - und sieben Wochen zu fasten. Daraus wurde eine jährliche Bewegung.
Inzwischen ist diese Aktion mehr als 25 Jahre alt und viele Hunderttausend Menschen haben sich ihr angeschlossen.
Das Ziel ist, die Passionszeit bewusst zu gestalten, eingschliffene Alltagsgewohnheiten zu überdenken und Solidarität mit denen zu zeigen, denen es nicht so gut geht.
Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Seiten von: www.7-wochen-ohne.de
Lesen Sie dazu auch:
- Wolfgang Max: Jesus weint meine Tränen mit (26.03.2010)
- Lernweg des Leidens (zu Hebr 5,7-9; Gottesdienst zur Bezirksvisitation, Müllheim, 21.03.2010)
- Wolfgang Max: Das Kreuzeszeichen (25.02.09)
- Marc Witzenbacher: Ver-Suchung (07.03.08)
- D. Riehle: Vom Sinn der Fastnacht (09.02.2005)
- Y. Kälbli: Platz schaffen! Zum Beginn der Fastenzeit (25.02.2004)
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 3. Sonntag vor der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 2. Sonntag vor der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum Sonntag vor der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 1. Sonntag in der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 2. Sonntag in der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 3. Sonntag in der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 4. Sonntag in der Passionszeit
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zum 5. Sonntag in der Passionszeit
