Vom Priestertum aller Gläubigen. Ehrenamt in einer Kirche für Andere
Referat auf dem Zukunftskongress (22.10.2011)
Liebe Arbeiterinnen und Arbeiter im Weinberg Gottes,
liebe Briefe Christi, die ihr mit geistlicher Tinte geschrieben seid,
liebe lebendige Steine des geistlichen Hauses,
ihr auserwähltes Geschlecht, ihr königliche Priesterschaft,
Liebe Mitbürger der Heiligen,
Gottes Hausgenossen,
Glieder eines Leibes,
kein Paulus und kein Petrus hätten sich je träumen lassen, dass sich zweitausend Jahre nach ihnen mehr als 1000 Menschen versammeln, die sich von all diesen Anreden angesprochen fühlen müssen! Die aus den Gemeinden herbeigekommen sind, nicht per Fuß und Schiff – den meistgenutzten Verkehrsmitteln des Neuen Testamentes, aber immerhin, zusammengekommen, um über die Arbeit im Weinberg zu reden – so etwas hieß damals Apostelkonzil!
Welche Art von Arbeit ist diesem Weinberg zu tun? Wer tut sie und wie groß ist dieser Weinberg? Eines ist leicht zu erkennen: in einem Weinberg gibt es nicht nur Kerne. Das wäre zu wenig. Worauf es ankommt im Weinberg – ist das fruchtige Fleisch der Trauben, in das die Kerne eingebettet sind.
Für das Tun von Ehrenamtlichen ist schon das eine wichtige Botschaft – kein kirchliches Kerngeschäft ohne „Dienst und Zeugnis“ aller Getauften. Und deshalb steht das auch so in der Grundordnung der badischen Kirche.
Das Neue Testament kennt viele Namen für Menschen, die sich in ihrer Gemeinde engagieren. Immer geht es um ein Bild für die Gemeinde. Immer geht es um die Frage, welche Gemeinde, welche Kirche wollen wir? Und was will die Kirche in dieser Welt?
In 7 Schritten möchte ich meine Überlegungen mit Ihnen teilen.
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1 Mündige Welt und diesseitige Kirche
Welche Kirche wollen wir? Und was will die Kirche in dieser Welt?
Es gibt wenige Theologen, die genau diese Frage so nüchtern und zukunftsgerichtet durchdacht haben wie Dietrich Bonhoeffer.
Von ihm haben wir die faszinierende Idee einer Kirche, die ganz bei den Menschen ist und ganz aus dem Evangelium lebt. Bonhoeffer nimmt die Gesellschaft wahr, wie sie ist, und das, was er wahrnahm, hatte prophetische Qualität:
Die Welt ist ein Ort, an dem kirchliches Engagement nicht unbedingt gesellschaftliche Anerkennung bringt.
Alle Versuche, dem modernen Menschen einzureden, er oder sie „bräuchte“ Gott, so wie wir einen Arzt brauchen, waren ihm peinlich. Das Konzept einer Inneren Mission, wie es von Johann Hinrich Wichern erdacht war und heute eine Renaissance erlebt, blieb ihm fremd. Die Welt ist in radikaler Weise mündig. Sie braucht die Bevormundung durch die Religion
nicht.
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Auf alle Fragen des Lebens gibt es Antworten, die ohne die „Arbeitshypothese“ Gott auskommen. So zu denken, verschärft die Frage, warum Menschen sich in der Kirche und für die Kirche engagieren.
„Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen, … und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge, Mißerfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern die Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glauben, das ist metanoia (griech.: Umkehr, Buße) und so wird man ein Mensch, ein Christ.“ (zit. nach: Albrecht Schönherr, Abenteuer der Nachfolge. Reden und Aufsätze 1978-1988, Berlin 1988, 243)
Der Weg zu Gott führt nicht aus der Welt hinaus, sondern tief in die Wirklichkeit der Welt hinein. Nicht die Leiden der Kirche am Schwinden ihrer Ressourcen sind die Sorge von Christinnen und Christen, sondern die Leiden Gottes in der Welt. „Gott ist mitten in unserem Leben jenseits!“ sagt Bonhoeffer und sein Schüler Albrecht Schönherr: „Der jeweils Nächste ist das Transzendente, weil Gott sich mit ihm identifiziert und so unser verantwortliches Tun, unsere Liebe, herausfordert.“ (a.a.O., 246)
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2 Abenteuer Nachfolge – Beten und Tun des Gerechten
Bonhoeffer war der Meinung, dass wir diesen totalen Verzicht auf kirchliches Profil, auf Geltung in der Welt erst noch einüben müssen. Und dass es noch lange dauern wird, bis die Menschen wieder erkennen, dass die Kirche an Jesus Christus gebunden ist.
In der Zwischenzeit sollen wir Christinnen und Christen uns begnügen mit dem „Beten und Tun des Gerechten“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Beten ist mehr als Händefalten, es ist Gottesdienst, Gemeinschaft im Glauben, spirituelles Leben.
Beten und Tun heißt übersetzt in unsere Zeit: höchstmögliche Übereinstimmung von Reden und Handeln.
Die mündige Welt lässt sich weder von kirchlichen Leuchttürmen noch von ausgefeilten missionarischen Konzepten beeindrucken, sondern allen durch die Übereinstimmung von Reden und Handeln, von Beten und Tun des Gerechten. Und jede und jeder hier im Raum weiß, dass wir immer in der Gefahr sind, diesen Anspruch zu Verfehlen – Einklang von kirchlichem Reden und Handeln.
Wenn wir mit Bonhoeffer glauben, dass Gott „auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet“, dann beginnt das Abenteuer Nachfolge.
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Menschen suchen in der Kirche kein Betätigungsfeld, sondern das Heil. Sie wollen glaubwürdige Nachfolge leben und erleben.
Die Mitgliedschaftsstudien der evangelischen Kirche sagen, dass die Möglichkeit mitzuarbeiten, das unwichtigste Motiv für die Kirchenzugehörigkeit ist.
Menschen suchen in der Kirche kein Betätigungsfeld, sondern das Heil. Sie wollen glaubwürdige Nachfolge leben und erleben.
Und das ist eines der größten Geheimnisse, eine der wichtigsten Quellen ehrenamtlichen Engagements – alles Tun des Gerechten ist auch mit der Erwartung verbunden, in ein aufrichtiges Gebet hineingenommen zu werden, zur Gemeinschaft der Heiligen zu gehören.
Viele Menschen heute spüren das eher, als dass sie es sagen können. Das hat mit dem Sprachnotstand in Glaubensdingen zu tun. Sie sagen es ganz diesseitig, geben aber zu erkennen: „... da ist auch mein Herz“, um es mit der Kirchentagslosung des Dresdener Kirchentages zu sagen.
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Wer in der Kirche, mit der Kirche, für die Kirche arbeitet, will Arbeiterin im Weinberg Gottes sein und nicht in einem religiösen Supermarkt, der nach den Regeln von Konkurrenz und Wettbewerb funktioniert. In mit und unter allen weltlichen Verfahren, Strukturen, Konflikten und Abläufen ist das Mitarbeiten in der Kirche geistliches Tun. Die hiesige Synodenpräsidentin Margit Fleckenstein hat das einmal sehr klar im Bezug auf die Synode gesagt: Synode ist kein demokratisches Parlament. Sie fasst ihre Beschlüsse nicht im Namen des Volkes, sondern im Auftrag des Herrn. (dies.: Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche, Impulsreferat bei der Bezirkssynode Emmendingen im Rahmen der Visitation des Kirchenbezirks - Juni 2010)
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3 Beim Kirchentag sind alle Laien, in der Kirche sind alle Priester. Wie geht das zusammen?
Zur heutigen Kultur der Wertschätzung gehört offenbar, vom Priestertum aller Gläubigen zu reden.
Luthers hochpolemischer Satz wird als eine Art upgrade für Ehrenamtliche verwendet. Irgendwie soll damit gesagt werden, dass alle Christinnen und Christen ermächtigt sind, Gott die Ehre zu erweisen und selbst ehrenvolle Anerkennung zu erfahren.
Wenn diese Vermutung stimmt, dann ist es nicht nur zu wenig, sondern sogar gefährlich, vom Priestertum aller Glaubenden zu reden. Dem Ausdruck, den Martin Luther in seiner Verzweiflung über die Reformunfähigkeit seiner Kirche benutzt hat, wird die polemische Pointe genommen.
Nirgends im Neuen Testament gibt es den Priester als Amt in der Gemeinde.
Es gibt nur einen Priester – und das ist Jesus Christus. Mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen hat er den Kreislauf von Schuld, Sühne und Opfer unterbrochen. Ein weiteres Opfer ist nicht nötig. In Christus steht allen, noch so sündigen, von Gott entfremdeten Menschen, der Zugang zur Vergebung offen.
Priester als Verwalter des Heils werden nicht mehr gebraucht. In Luthers drastischer Sprache: „Was aus der Taufe gekrochen, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei.“
Es geht ihm um geistliche Mündigkeit, um Verantwortung für die Kommunikation des Evangeliums.
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Reinold von Thadden, der Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages sprach wortgewaltig von den Laien.
Und deshalb hat der Mann, der die größte Bewegung engagierter Christinnen und Christen im 20. Jahrhundert ins Leben gerufen hat, nicht den Begriff des Priestertums aller Gläubigen gewählt. Reinold von Thadden, der Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages sprach wortgewaltig von den Laien.
Theologisch ebenso paradox – wenn es keine Priester gibt, gibt es keine Laien – aber ebenso wirkungsvoll.
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Die Rede vom Priestertum aller Glaubenden macht nur dann Sinn, wenn sie als Chiffre für Verantwortung verstanden wird. Verantwortung aller Getauften für die Kommunikation des Evangeliums.
Im Kirchentag – man sollte es nicht glauben – widersetzen wir uns dem Modetrend vom Priestertum aller Glaubenden und halten den Laien-Begriff in Ehren. Er ist für uns ein Erinnerungsort dafür, dass es in Deutschland Zeiten gegeben hat, in denen die nicht theologisch Ausgebildeten, eben die Laien, das Überleben der Kirche gesichert haben. Von Thaddens Laien-Begriff leitet sich aus diesen Erfahrungen her. Eine Gemeinde-Kirche, keine Pastorenkirche, das war sein Ideal.
Laienbewegung heißt für uns heute:
Selbstorganisation in hohem Ausmaß innerhalb einer verlässlichen Rahmenstruktur:
Der Erfolg der Veranstaltung ist der Erfolg der Laien.
Es gibt keine Schlusskontrolle durch eine geistliche Führungsperson.
Diese drei Faktoren, die den Erfolg des partizipativen Grundprinzips des Kirchentages ausmachen, taugen auch für die ehrenamtliche Arbeit in den Gemeinden.
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Ehre kommt uns nicht aus uns selbst zu.
Ehre kommt Gott zu und aus dieser Fülle leben wir.
Laienbewegung und Priestertum aller Glaubenden – Zwei Begriffe verwandten Ursprungs, die nur im kirchlichen Kontext Sinn machen.
Ich möchte dafür plädieren, dass wir die biblischen Ehrentitel und die traditionell gewachsenen Namen mit Leben füllen, anstatt sie der Anpassung an eine vermeintlich allgemeinverständliche Sprache zu opfern – gerade weil sich in ihnen das Besondere eines kirchlichen Engagements zeigt.
Jeder dieser Begriffe stürzt uns in theologisches Nachdenken. Geben wir die Begriffe auf, geben wir das theologische Nachdenken auf.
Das hat Kirche noch nie gut getan.
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Ehre kommt uns nicht aus uns selbst zu.
Ehre kommt Gott zu und aus dieser Fülle leben wir.
4 Jesus lief zu den Fischern – und wohin laufen wir? Von der Ambivalenz der „Milljöh“-Forschung.
Wohin blicken wir, wenn wir nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Weinberg Gottes suchen?
Da gibt es ein neues Zauberwort – das Milieu und die Milieusensibilität. Das klingt ein bisschen nach Allergologie – da wird man ja desensibilisiert, um nicht so viel niesen zu müssen, wenn das Korn blüht – hier aber ist es umgedreht – die Milieus blühen in vielen Farben, nur: Kirche muss sensibler werden. Die Milieuforschung ist entstanden, weil das klassische Schema von Arbeiterklasse und Bürgertum, das sich an Einkommensdifferenzierungen festmachen ließ, die gesellschaftliche Dynamik nicht mehr erklären kann.
Lebenseinstellungen, Wertorientierungen, Lebensstilen kommt Bedeutung zu.
Wenn die Milieuforschung auf kirchliche und religiöse Orientierungen schaut, dann teilt sie drei Typen von Milieus, die in sich noch einmal differenziert sind:
Zu den traditionellen Milieus zählen ca. 22% der Gesellschaft. Hier, bei den Konservativen und Traditionsverwurzelten ist Kirche im Alltagsleben fest verankert.
Die zweite Gruppe, die modernen Milieus, die etwa 50% der Gesellschaft ausmachen, erlebt die Kirche als Bewahrerin von Werten, steht ihr aber distanziert gegenüber.
Eine dritte Gruppe sind die sogenannten postmodernen Milieus, zu denen 28% gehören. In ihrem Leben kommen Kirche und Religion kaum vor. Die Funktion von Kirche ist es, Auffangbecken für die zu sein, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen.
Ich möchte Ihnen raten, alles zu prüfen, aber das Gute zu behalten. Denn: Die Milieuforschung folgt der Logik des Marktes. Es geht um Produkte, um Verkaufs- und Werbestrategien, um Abgrenzung innerhalb der Gesellschaft. Die Kirche Jesu Christi folgt einer anderen Logik.
Die Entdeckung der Milieus ist inzwischen in der Gemeindepraxis angekommen. In der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau hat Franz Grubauer, auf den ich mich hier beziehe, den Gemeinden ein ausgefeiltes Instrumentarium zur Verfügung gestellt, mit dem Gemeinden bis in einzelne Straßenzüge hinein die Milieustruktur ihres Gemeindegebietes abrufen und ihre kirchliche Arbeit darauf einstellen können. Meines Wissens ist eine solche Datenbank auch für Baden in Arbeit. (Dr. Franz Grubauer, Handbuch für die Nutzung des Indikatorenwerkzeugs, Referat Sozialforschung und Statistik der EKHN, 2011)
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Ich möchte Ihnen raten, alles zu prüfen, aber das Gute zu behalten. Denn: Die Milieuforschung folgt der Logik des Marktes. Es geht um Produkte, um Verkaufs- und Werbestrategien, um Abgrenzung innerhalb der Gesellschaft. Die Kirche Jesu Christi folgt einer anderen Logik.
Die Ergebnisse der Milieuforschung treffen nur zu 60% zu. Das heißt, in einer Gemeinde von 10 000 Mitgliedern gibt es 4000, die anders sind, als wir mit der Milieubrille auf der Nase glauben. Vielleicht sind es gerade die, die sich engagieren wollen? Wer kennt sie? Milieusensibilität ersetzt nicht die persönliche Begegnung.
Milieus sind Modelle, um besser zu verstehen, warum ein gutgemeinter Einladungsflyer keine Wirkung zeigt und warum es immer dieselben sind, die in den Gottesdienst kommen.
Milieusensibilität heißt, die Kampfbedingungen der unterschiedlichen Milieus um gesellschaftliche Hegemonie verstehen. Es heißt nicht, sich damit abzufinden.
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Uns ist Versöhnung aufgetragen, nicht Abgrenzung. Die Logik der Versöhnung folgt anderen Regeln.
Milieusensibilität heißt, zu verstehen, warum Menschen auf bestimmte Ansprache reagieren und manche nicht. Sie kann helfen, mit den eigenen Ressourcen sorgsamer umzugehen. Aber ein Tool für eine neue Missionsstrategie sind die Milieus nicht.
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Die Milieuforschung erspart uns nicht die Frage, welche Kirche wollen wir? Im Gegenteil: Sie fordert uns heraus, genau hinzuschauen, welche Menschen bei uns leben, wie sie leben und woran sie sich orientieren. Den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche – das Motto des Paulus können wir ganz neu in Gebrauch nehmen. Milieusensibilität heißt zuerst zu fragen: wie sind wir für die Menschen, die bei uns wohnen, Gemeinde und wer sind wir selbst?
Und dann können wir fragen, wie machen wir das bei uns in Villingen- Schwenningen, Schwetzingen, Mannheim, in Rappenau mit dem Beten und Tun des Gerechten.
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5 Kirchliches Ehrenamt ist weiblich
Für Eingeweihte ist es müßig, über den Prozentsatz der Frauen unter den Ehrenamtlichen in den Kirchen zu reden. Er beträgt seit mindestens einhundert Jahren konstant mehr als zwei Drittel. Das war 1937 so, das ist im Jahr 2011 immer noch so. Der Historiker Manfred Gailus ist bei seinen Forschungen über die Berliner Kirche im Nationalsozialismus auf die gar nicht
erstaunliche Tatsache gestoßen, dass die Bekennende Kirche eine „von Männern geleitete evangelische Frauenbewegung” war.
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Synoden tagen einmal im Jahr, Kirchenvorstände treffen sich monatlich. Und hier ist der Ort, an dem sich in den letzten 50 Jahren eine kleine Revolution abgespielt hat: 1955 waren 5% der Kirchenvorstände Frauen, 1973 waren es 20% und mittlerweile sind es im EKD-Durchschnitt 55%. Hinter den Prozenten stehen 68.000 Frauen.
Interessant wird es bei der Frage, wer die Kirche leitet. Nach evangelischem Verständnis sind Geistliche und Nichtgeistliche gleichberechtigt dafür verantwortlich, Gesetze zu erlassen und den Haushalt zu überwachen. Das spiegelt sich in den Synoden, in denen Pfarrerinnen und Pfarrer neben Laien im Sinne Reinold von Thaddens sitzen.
In der EKD-Synode, die seit Mitte der 1970er Jahre das Thema gleichberechtigte Führung immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt hatte, beträgt der Frauenanteil 45%.
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Synoden tagen einmal im Jahr, Kirchenvorstände treffen sich monatlich. Und hier ist der Ort, an dem sich in den letzten 50 Jahren eine kleine Revolution abgespielt hat: 1955 waren 5% der Kirchenvorstände Frauen, 1973 waren es 20% und mittlerweile sind es im EKD-Durchschnitt 55%. Hinter den Prozenten stehen 68.000 Frauen.
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6 Arbeit am Maßstab
Dass Frauen in den Leitungen der Gemeinden stärker präsent sind, ist allein noch kein Qualitätskriterium kirchlicher Arbeit. Aber: die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen an kirchlicher Arbeit ist eine Grundvoraussetzung, um überhaupt Qualitätskriterien anzulegen.Die Qualität ehrenamtlichen Engagements in der Kirche bemisst sich an theologischen Maßstäben. Die soziologischen Faktoren, die ehrenamtliches Engagement bestimmen, gehen dabei nicht unter. Ihre Messinstrumente, wie die Milieuforschung, können und müssen als Hilfsmittel gebraucht werden, um den Auftrag Jesu Christi zu erfüllen. Der Auftrag selbst ist ein anderer.
Arbeit am Maßstab das hatte ich versprochen:
Die einfache Formel Bonhoeffers vom Beten und Tun des Gerechten ist ein theologischer Maßstab, der ehrenamtliches Engagement leiten kann.
Die Leiden Gottes in der Welt wahrzunehmen, das ist theologisch die vornehmste Aufgabe der Ehrenamtlichen und oft sind sie darin besser als die sogenannten Hauptamtlichen.
Die Leiden Gottes in der Welt wahrzunehmen, heißt, nicht zuerst nach der Kirche für uns zu fragen, sondern sich an der Kirche für Andere zu orientieren.
Kirche für andere ist ein Kompass für das Abenteuer der Nachfolge.
Kirchliches Reden und Handeln müssen übereinstimmen, damit die Gemeinde Jesu Christi glaubwürdig ist in einer Welt, die unhintergehbar mündig ist.
7 ... und jetzt seid Ihr dran!
Dr. Ellen Ueberschär - Generalsekräterin des Deutschen Evangelischen Kirchentages
Text für ekiba gekürzt. Das gesamte Referat steht für Sie als pdf-Dokument zum Download zur Verfügung.

Vortrag E. Ueberschär: Vom Priestertum aller Gläubigen. Ehrenamt in einer Kirche für Andere