Allianz für den freien Sonntag
Für menschengerechte Arbeitszeiten!
Der Sonntag ist kein Tag wie jeder andere. Er ist ein Tag der Ruhe, der Gemein-schaft und der Befreiung von Sachzwängen, von Fremdbestimmung und Zeitdruck.
Der Sonntag lebt aus der Tradition des biblischen Sabbats. Der Sabbat weiß davon, dass es ein Genug gibt: Sechs Tage Arbeit sind auskömmlich für sieben Tage. Der Sabbat setzt der Ökonomie Grenzen: die Arbeit hat ihre Zeit und ihre Grenzen, es gibt ein Genug. Der Sabbat entbindet die Arbeit vom Zwang. Im Sabbat ist die Erinnerung aufbewahrt an die Befreiung aus der Sklaverei, denn der Sabbat setzt die Hierarchie von Herr und Knecht aus. Er ist ein Protesttag für Freiheit und gegen Unterjochung.
Der Sonntag ist in biblischem Verständnis viel mehr als ein arbeitsfreier Tag. Er befreit aus ökonomischen Zwängen und eröffnet lebensfördernde Perspektiven. Er zielt ab auf menschengerechte Arbeitszeiten und auf verlässliche Zeitstrukturen, in denen Kultur und menschliche Begegnung gedeihen. Er setzt anstelle ökonomischer Vernutzung auf die Freiheit menschlicher Würde. Denn nicht, was jemand leistet, macht den Menschen aus: Die Ökonomie des Sabbat macht keinen zum Sklaven, schließt niemanden aus und eröffnet selbstbestimmte Zeit jenseits von Arbeit und Erholung.
Der Sonntag gibt der Zeit ein Maß. Immer nach sechs Tagen hat nicht der Einzelne einen Ruhetag, sondern alle Arbeit steht still. Der Wochenrhythmus des freien Tages legt ein ordnendes Zeitmaß über das gesellschaftliche Leben. Die gemeinsame freie Zeit des Sonntags ermöglicht Gemeinschaft, Leben der Familien, der Vereine und der Kultur. Der Sonntag feiert die Schöpfung. Er ist ein Tag des Lobes, der Freude, des Gottesdienstes und der Feier.
Der Sonntag zielt darauf ab, dass Leben gelingt. Er verdrängt die Gier und sieht den ganzen Menschen mit seinen sozialen und kulturellen Gaben. Er reduziert ihn nicht auf seinen Geldbeutel. Alle Arbeit, die nicht dem Menschen dient, sondern dem Profit, läuft dem Sonntag zuwider. In der Feier des Sonntags scheint die Ökonomie des Sabbat auf, die auch den Werktag ausleuchtet. In den Blick geraten dabei auch unverträgliche Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit ohne ausreichende soziale Sicherung.
Der Sonntag widersteht der Ökonomisierung der Zeit und befreit zur Humanität und zur Würde menschlicher Arbeit. Der Sonntag plädiert für eine Ökonomie des Genug.
Der Sonntag steht für ein Prinzip, ohne das eine demokratische Gesellschaft nicht überleben kann. Er orientiert uns auf das, wovon wir nachhaltig leben können: menschengerechte Arbeit und Zeit zum Leben.
Weitere Texte und Pressemeldungen finden Sie hier!

Die "Allianz für den freien Sonntag" in Baden-Württemberg ist ein Zuammenschluss folgender Organisationen:
Aufruf für den Arbeitsfreien Sonntag
anlässlich der Ersten europäischen Konferenz zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags im Europäischen Parlament in Brüssel, 24. März 2010
Wir, die Unterzeichner, glauben, dass - im Prinzip - allen Bürgern der Europäischen Union das Recht auf einen arbeitsfreien Sonntag zukommt. Selbstverständlich schließt dies nicht Ausnahmen für die Bereitstellung notwendiger Dienste aus, noch berührt es die wichtige Rolle der Sozialpartner beim Aushandeln von Tarifverträgen.
Der Schutz des arbeitsfreien Sonntags ist von überragender Bedeutung für die Gesundheit der Arbeitnehmer, die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben sowie für das Leben der Zivilgesellschaft insgesamt. Dieser gemeinsame wöchentliche Ruhetag stärkt den sozialen Zusammenhalt in unseren Gesellschaften - ein Zusammenhalt, der durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise ernsthaft gefährdet ist.
Wir appellieren deshalb an die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten, die sich morgen zu ihrem Frühjahrsgipfel treffen, dem wachsenden ökonomischen Druck zu widerstehen, Gesetze zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags zu liberalisieren. Wir rufen sie auf, sich für den Schutz und die Förderung des arbeitsfreien Sonntags als eines Pfeilers des Europäischen Sozialmodells im Rahmen der jeweiligen nationalen Rechtsordnung einzusetzen.
Wir appellieren an die Europäische Kommission, das Europäische Sozialmodell, welches von Millionen von Bürgern in ganz Europa herbeigesehnt wird, wirksam zu stärken. Insbesondere richten wir an die Gesetzgebung der EU und die Regeln des Binnenmarktes den zentralen Stellenwert des arbeitsfreien Sonntags im Leben der Arbeitnehmer und der Gesellschaft als Ganzes garantieren und dass das Prinzip des arbeitsfreien Sonntags keinem neuen Druck ausgesetzt wird.
Wir appellieren an die Mitglieder des Europäischen Parlamentes zu gewährleisten, dass jegliche relevante EU-Gesetzgebung den Schutz des Sonntags als wöchentlichen Ruhetag für alle EU-Bürger respektiert und fördert.
Schließlich rufen wir alle europäischen Bürger dazu auf, eine künftige Bürgerinitiative zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags zu unterzeichnen.
Wir sind zuversichtlich, dass die erste Europäische Konferenz zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags der Startschuss für ein ständiges Kooperationsnetzwerk zwischen den Organisationen und Unterstützern der Konferenz sein wird. Wir erwarten, dass diese Kooperation den Weg für die Gründung der ersten Europäischen Allianz für den Freien Sonntag ebnen wird.
Brüssel, den 24. März 2010
